Was sind Tatami?
Eine Einführung in die japanischen Bodenmatten — Geschichte, Aufbau, Maße und Verwendung. Naturmatten mit über tausend Jahren Tradition, die heute jeden Raum beruhigen.
Wer einen Tatami-Raum betritt, spürt sofort die Ruhe.
Ein feiner, frischer Grasgeruch. Eine angenehm federnde Bodenfläche. Das geordnete Bild rechteckiger Matten, die den Boden auslegen. Tatami prägt seit über tausend Jahren die japanische Wohnkultur — als Sitzplatz, als Schlafunterlage, als Maßstab für ganze Räume. In diesem Ratgeber erfahren Sie, woraus eine echte Tatami-Matte besteht, welche Maße üblich sind, wie sie verlegt wird und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Eine Tatami-Matte besteht aus drei Schichten.
Die Oberfläche
Geflochtene Igusa-Binse aus Kumamoto. Klimaregulierend, federnd, mit feinem natürlichem Duft.
Der Kern
5,5 cm gepresstes Reisstroh, 25–32 kg Eigengewicht. Stabil, langlebig, vollständig biologisch abbaubar.
Die Bordüre
Schmale Stoffbordüre an den Längskanten. Verstärkt, verbindet, war historisch ein Statussymbol.
100 % rein
Reisstroh und Igusa-Gras — schadstofffrei, recycelbar, biologisch abbaubar. Kein Kunststoff, kein Klebstoff.
Vom Luxus der Adeligen zum Boden jedes Hauses.
Heian-Zeit (794–1185). Die ersten Tatami tauchen auf, allerdings noch nicht als flächendeckender Bodenbelag. Sie dienen als tragbare Sitz- und Schlafunterlagen für den Adel. Je höher der Rang, desto dicker das Tatami, desto kostbarer die Bordüre.
Muromachi-Zeit (1336–1573). Mit der Teezeremonie und dem Shoin-Stil werden Räume erstmals vollständig mit Tatami ausgelegt. Der Boden wird zur Bühne: Man sitzt, isst, schläft direkt darauf.
Edo-Zeit (1603–1868). Tatami werden bezahlbar. Auch wohlhabende Bürger legen ihre Räume damit aus. Es entstehen die regionalen Standardmaße, die bis heute existieren.
Heute. In modernen japanischen Wohnungen findet sich oft nur noch ein einzelner Tatami-Raum — der Washitsu. Außerhalb Japans gewinnt Tatami als Ausdruck minimalistischen, naturverbundenen Wohnens stark an Beliebtheit, besonders im Japandi-Stil.
Was bedeutet eigentlich „Jo"?
In Japan werden Raumgrößen nicht in Quadratmetern, sondern in Jo angegeben. Ein „6-Jo-Zimmer" ist ein Raum, der mit sechs Tatami-Matten ausgelegt ist. Allerdings ist „1 Jo" je nach Region unterschiedlich groß.
Klassische Muster — und ein altes Tabu.
Tatami werden nie zufällig angeordnet. Die Verlegung folgt klaren Mustern, die seit Jahrhunderten überliefert sind: 4,5 Jo (das klassische Maß für einen Teeraum), 6 Jo (typisches Schlaf- oder Wohnzimmer), 8 Jo (größeres Wohnzimmer), 10 Jo (repräsentativer Raum).
Bei der Verlegung gilt eine fast schon religiöse Regel: Vier Tatami treffen sich niemals an einem Punkt. Eine kreuzförmige Anordnung ist in der traditionellen Kultur Trauerritualen vorbehalten und in einem Wohnraum streng tabu. Stattdessen werden die Matten so verschoben, dass an jeder Stoßstelle nur drei Matten zusammenkommen. Diese T-förmige Anordnung sorgt für das ruhige, geordnete Bild, das jeden Tatami-Raum prägt.
Sechs Wege, Tatami einzusetzen.
Als Schlafplatz mit Futon
Die klassische und vielleicht schönste Anwendung. Tatami als Unterlage, darauf eine Futonmatratze. Niedrig, naturverbunden, gut für den Rücken.
Yoga- und Meditationsfläche
Die federnde Igusa-Oberfläche ist angenehmer als kalte Holzdielen und atmungsaktiver als eine Sportmatte.
Im Teebereich
Wer eine Teeecke einrichtet, kommt um Tatami fast nicht herum — sie ist Teil der Atmosphäre.
Als Sitzlandschaft
Mit Sitzkissen (Zabuton) und niedriger Tischplatte entsteht im Handumdrehen ein traditioneller Essbereich.
Als Eingangsbereich-Akzent
Ein einzelnes Tatami im Eingang setzt einen ruhigen, willkommen heißenden Ton — bevor der westliche Wohnbereich beginnt.
Modular auf bestehendem Boden
Sie müssen nicht renovieren. Tatami können Sie wie eine Matte einfach auflegen — auf Holz, Parkett, Laminat, Fliesen.
Bodennähe — etwas erhöht gedacht.
Tatami müssen nicht auf dem Boden liegen. Wer den klassischen Komfort einer Tatami-Liegefläche möchte, aber den Einstieg lieber etwas erhöht hat, wählt einen Bettrahmen mit Tatami als Liegefläche. Die Tatami werden direkt auf einen klassischen geraden Lattenrost gelegt — und funktionieren genauso wie am Boden: federnd, klimaregulierend, naturbelassen. Bei JO-KO erhalten Sie mehrere unserer Massivholzbetten optional mit Tatami als Schlafunterlage.
AIKO
Niedriges Massivholzbett aus Buche, in alter Tischlertradition gefertigt. Wirkt mit Tatami wie ein japanisches Schlafpodest.
Zum Bett AIKO →
Tatami
Das namensgebende Modell — klassisch japanischer Bettrahmen, metallfrei gefertigt für die Kombination mit echtem Reisstroh-Tatami.
Zum Bett Tatami →
Osaka
Solides Massivholzbett aus Buche mit metallfreiem Stecksystem. Der breite Rahmen rückt die Tatami-Liegefläche elegant ins Bild.
Zum Bett Osaka →
Zen
Metallfreies Massivholzbett mit geradem Kopfteil. Mit Tatami als Liegefläche eine moderne Interpretation der traditionellen japanischen Schlafkultur.
Zum Bett Zen →
Sofabett
Multifunktional: tagsüber Sofa, nachts Bett. Tatami, Futon und sechs Kissen sind im Set enthalten — die kompakteste Form der japanischen Multinutzung.
Zum Sofabett →Klassisch mit Heri oder modern ohne.
Die Heri-Bordüre verstärkt die Kanten und war historisch ein Statussymbol. Heute reichen die Varianten von schlichtem schwarzem Baumwollband (unser Standard) bis zu farbig gemusterten Webstoffen. Heri-nashi-Tatami — ohne Bordüre — wirken besonders modern und passen in zeitgenössische Japandi-Einrichtungen.
So bleibt Ihr Tatami 10 bis 20 Jahre schön.
Regelmäßig lüften
Ein- bis zweimal pro Woche das Fenster öffnen, damit die Faser Feuchtigkeit abgeben kann. Besonders wichtig in Schlafzimmern.
Trocken halten
Igusa und Reisstroh mögen keine Feuchtigkeit. Verschüttete Flüssigkeit sofort mit einem trockenen Tuch aufnehmen, niemals nass wischen.
In Faserrichtung wischen
Mit einem weichen Tuch trocken in Faserrichtung wischen, nie quer. So bleibt die Oberfläche glatt.
Sonne dosieren
Mehrere Stunden direktes Sonnenlicht täglich bleicht die Oberfläche aus. Eine moderate Dosis ist kein Problem.
Möbel auf Filzgleiter
Punktbelastung durch Stuhlbeine kann Eindrücke hinterlassen. Filz oder kleine Brettchen schonen die Faser.
Vorsichtig saugen
Ein Staubsauger funktioniert, aber mit niedriger Stufe und in Faserrichtung. Aggressives Saugen raut die Oberfläche auf.
Tatami im skandinavisch-japanischen Wohnen.
Tatami sind in den letzten Jahren weit über die rein japanische Wohnwelt hinausgewachsen. Im Japandi-Stil — der Verschmelzung von japanischer Reduktion und skandinavischer Wärme — sind Tatami ein selbstverständliches Element geworden. Tatamis unter einem niedrigen Bettrahmen, daneben ein Naturholzschrank, eine Leinendecke, eine Papierlampe — das ist Japandi in seiner reinsten Form.
Häufige Fragen rund um Tatami.
Welche Nachteile haben Tatami-Matten?
Tatami haben drei Hauptnachteile: Sie sind feuchtigkeitsempfindlich, bekommen bei Punktbelastung (Stuhlbeine, Bettfüße) Eindrücke und bleichen bei mehrstündiger direkter Sonne aus. Wer dauerhafte Strapazierfähigkeit ohne Pflege erwartet, ist mit Laminat besser bedient. Wer Tatami aber als lebendiges Naturmaterial behandelt, bekommt eine 15 bis 20 Jahre langlebige Schlafstätte mit Charakter.
Warum benutzen Japaner Tatami-Matten?
Japaner nutzen Tatami aus drei Gründen: Klimaregulation (die Igusa-Oberfläche nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie ab — kühl im Sommer, warm im Winter), Multifunktionalität (eine Tatami ist Boden, Sitzplatz und Bett in einem) und Tradition: Räume werden in Japan seit über 1.000 Jahren in Jo gemessen — also direkt in Tatami-Einheiten.
Kann man auf einer Tatami-Matte schlafen?
Ja, und das ist die klassische japanische Schlafform. Eine Tatami dient als Unterlage, darauf liegt eine Futonmatratze. Die federnde Igusa-Oberfläche stützt den Körper gleichmäßig — ohne Metallfedern und ohne Schaumstoff. Bei JO-KO erhalten Sie beides aus einer Hand: Tatami in 80/90/100 × 200 cm oder 90 × 180 cm und passende Futonmatratzen aus Naturmaterialien.
Ist das Schlafen auf Tatami-Matten gesund?
Ja, gilt aus zwei Gründen als gesund: orthopädisch (die Kombination Tatami + Futonmatratze stützt die Wirbelsäule gleichmäßig, vorausgesetzt der Härtegrad passt zum Körpergewicht) und materialtechnisch (keine synthetischen Ausdünstungen, keine Metallfedern, keine Schaumstoffe). Naturfasern wie Reisstroh und Igusa-Gras sind atmungsaktiv und antibakteriell. Bei chronischen Rückenproblemen empfehlen wir vor dem Kauf eine Beratung.
Wie dick sind Tatami?
Hochwertige Tatami sind in der Regel 5,5 cm stark. Bei JO-KO ist das der Standard.
Kann man auf Tatami ein westliches Bett aufstellen?
Grundsätzlich ja — aber bedenken Sie: Punktbelastung durch Bettfüße kann Eindrücke hinterlassen. Empfehlung: entweder Filzgleiter oder die klassische Variante (Futon direkt auf Tatami).
Riechen Tatami?
Ja — frische Tatami haben einen feinen, grasigen Duft nach Igusa und getrocknetem Stroh. Die meisten empfinden den Geruch als angenehm und beruhigend. Er klingt nach einigen Wochen langsam ab.
Wie lange halten Tatami?
Bei guter Pflege halten hochwertige Tatami 10 bis 20 Jahre. Die Oberfläche kann ausgetauscht werden, sobald sie sichtbar abgenutzt ist — der Kern bleibt erhalten.
Was kosten Tatami?
Hochwertige Tatami mit echtem Reisstroh-Kern und Igusa-Gras-Oberfläche beginnen bei JO-KO bei rund 189 € pro Matte (Standardgröße 80 × 200 cm). Für ganze Räume und Projektmengen ab 6 Stück gibt es Sonderkonditionen.
Sind Tatami für Allergiker geeignet?
Igusa und Reisstroh sind Naturfasern, die meisten Allergiker vertragen sie gut. Bei Hausstaubmilben-Empfindlichkeit regelmäßig lüften und vorsichtig saugen.
Wie lange dauert die Lieferung?
Bei JO-KO sind Tatami in der Regel lagernd und sofort versandfertig — die Lieferzeit liegt dann bei etwa 4 bis 6 Werktagen. Nicht lagernde Tatami liefern wir mit 10 bis 15 Werktagen.
Hochwertige Tatami aus 100 % Reisstroh und echtem Igusa-Gras.
Mit klassischer Heri-Bordüre oder in der modernen Heri-nashi-Variante. Lieferung in 4 bis 6 Werktagen — ab 6 Matten mit Sonderkonditionen. Wir beraten Sie gerne bei der richtigen Größe und Stärke für Ihren Raum.